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2. Die Bedeutung der Telomere und der Telomerase

Die Bedeutung von Telomeren und Telomerase Alles, was lebt, besteht aus Zellen. Damit der Fortbestand des Lebens gewährleistet ist, müssen sich die Zellen teilen. Auf der DNA (Desoxyribonukleinsäure) ist die gesamte Erbinformation gespeichert, die alle Vorgänge des Stoffwechsels, des Wachstums und der Entwicklung steuert. Vor jeder Zellteilung muß die DNA verdoppelt werden, damit jede Tochterzelle einen vollständigen Satz Chromosomen erhält.

Wie alle Nukleinsäuren ist die DNA ein Polynukleotid. Ein Nukleotid besteht aus einer Base, einem Zucker (bei der DNA ist es Desoxyribose) und einem Phosphorsäurerest. Als Basen dienen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, wobei jeweils Adenin -Thymin und Guanin - Cytosin komplementär sind. Daraus ergibt sich die Doppelhelix-Struktur der DNA. Sie besteht demnach aus zwei Polynukleotidsträngen, die über die Basen der Nukleotide zu einem Doppelstrang miteinander verknüpft sind. Daher sind auch die beiden zusammengehörigen Stränge nicht identisch sondern komplementär gebaut und verlaufen "antiparallel". Dies sieht man an Phosphat brücken zwischen den Zuckern, die vom 3. zum 5. C-Atom in unterschiedlicher Richtung verlaufen.

Bei der Replikation der DNA werden zunächst die beiden komplementären Stränge mit Hilfe von Enzymen voneinander getrennt. Jeder Einzelstrang wirkt jetzt als Matrize, an der ein neuer komplementärer Strang gebildet wird. An die nun ungepaarten Basen der DNA lagern sich RNA-Starter an, danach wird das Tochtermolekül mit Hilfe des Enzyms DNA-Polymerase in 5'-3'-Richtung verlängert, indem sich anlagernde Nukleotide miteinander verbunden werden.

Da die DNA-Polymerase nur in 5'-3'-Richtung arbeiten kann, muß an einem Elternstrang stückchenweise "rückwärts" repliziert werden und zwar indem das Enzym zum nächsten RNA-Startermolekül vorausspringt und diesen dann "rückwärts" in gewohnter 5'-3'-Richtung zu einer DNA-Kette verlängert.


Als nächstes werden die vielen RNA-Starterfragmente entfernt und durch DNA ersetzt.

Dabei steht die Natur vor einem Problem: Am 5'-Ende der neu synthetisierten DNA entsteht nach Abbau des RNA-Starters eine Lücke, weil die DNA-Polymerase wegen des Richtungszwangs nicht in der Lage ist, diese mit DNA aufzufüllen. Das aber würde bedeuten, daß sich die Chromosomen von Replikation zu Replikation verkürzen und dabei wichtige Erbinformationen verloren gehen, bis schließlich eine Fortpflanzung und damit ein Fortbestand des Lebens nicht mehr möglich wäre.

An dieser Stelle kommt die Bedeutung von Telomeren und der Telomerase zum Tragen. Als Telomere bezeichnet man die Enden der Chromosomen. Sie enthalten keine codierenden Sequenzen, sondern bestehen aus Folgen kurzer repetitiver DNA-Sequenzen mit der Basenfolge 5'-TTAGGG-3', die sich beim Menschen bis zu Tausend mal wiederholen kann. Mit jeder Replikation werden die Telomerenden kürzer. Nicht ohne Grund wird daher die Länge der Telomere in Verbindung mit dem Alterungsprozeß gebracht, denn Zellteilung kann nicht unbegrenzt häufig ablaufen und ist durch die Telomerlänge eingeschränkt. Je kürzer die Telomere sind, desto seltener können sich Zellen teilen und erneuern. Die Begrenzung der Zellteilungen bezeichnet man als Hayflick-Limit. Diese ist bei jeder Gewebetypt anders, weil bei der Embryonalentwicklung die Telomeraseaktivität in den verschiedenen Geweben zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgestellt wird.

Das Altern der Zelle resultiert demnach aus einem schrittweisen Abbau der Telomere und der damit verbundenen, schrittweisen Abnahme von Zellfunktionen; mit zunehmender Telomerverkürzung verändert die Zelle ihr Muster der Genaktivierung, verlangsamt ihre Teilungsrate, stellt die Teilung dann völlig ein und stirbt schließlich ab.

Während in Körperzellen die Verkürzung der Telomere und damit Alterung unvermeidlich zu sein scheint, wäre sie in Keimzellen fatal, denn dadurch wäre eine Weitergabe von Erbinformationen irgendwann nicht mehr möglich, weil die Chromosomen zu kurz geworden sind.

Dieser Gefahr beugt das Enzym Telomerase vor, welches Telomere wieder verlängert. Es enthält neben Eiweißen eine RNA mit einem Sequenzabschnitt, der zu den DNA-Repeats komplementär ist. Die Genorte für diese beiden Bestandteile der Telomerase sind bekannt: Das Gen für den Proteinanteil (TERT - telomerase reverse transcriptase) liegt auf dem fünften Chromosom im Abschnitt p15.33, das Gen für den RNA-Anteil (TERC - telomerase RNA component) befindet sich auf dem dritten Chromosom im Bereich q21-q28. Die RNA der Telomerase dient gleichsam als wandernde Matrize für die Synthese von Telomerenden: Zunächst paaren die Basen des überstehenden DNA-Endes mit der Telomerase-RNA. Danach werden Desoxynukleotide an das 3'-Ende der DNA angeheftet, die komplementär zur Telomerase-RNA sind. Nachdem auf diese Weise eine neue Telomereinheit entstanden ist, löst sich die Telomerase von der DNA. Nun kann der Vorgang am verlängerten DNA-Ende von neuem beginnen.

Ist der DNA-Strang lang genug, können RNA-Starter binden, und der Tochterstrang wird in gewohnter 5'-3'-Richtung mit Hilfe der DNA-Polymerase verlängert.



Überstehende Einzelstrangenden werden umgeklappt und verschließen die Chromosomenenden. Damit kommt den Telomeren eine weitere wichtige Eigenschaft zu: Sie bilden eine Art Schutzkapsel, die die Chromosomen vor Enzymschäden und vor "Verkleben" schützt. Chromosomen sind nur dann stabil, wenn ihre Enden intakt sind. Wäre dies nicht der Fall, würde sich ein Chromosom aufgrund seiner "klebrigen" Enden an ein anderes anlagern oder von Enzymen zerstört werden.

Das Gen für Telomerase ist beim Menschen hauptsächlich in Keimzellen, aber auch in Tumorzellen aktiv. Die Telomeraseaktivität bewirkt, daß sich die Zellen unbegrenzt teilen können. In beiden Fällen altern die Zellen sozusagen nicht.

Diese Erkenntnisse lassen positiv in die Zukunft blicken. Auf der einen Seite hofft man, die Telomeraseaktivität in Tumorzellen (sofern vorhanden) ausschalten zu können und einige Krebsarten somit heilbar zu machen, andererseits aber Telomerase in Körperzellen in dem Maße aktivieren zu können, so daß das Altern verhindert wird, aber auch keine Tumorzellen entstehen. Vielleicht werden diese heute noch unmöglich erscheinenden Aussichten in weiter Zukunft Wirklichkeit.


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Telomere Uhren

  1. Einleitung

2. Bedeutung der Telomere und der Telomerase
Modell zur Regulation der Telomerlängen

3. Telomernachweis durch In-Situ- Hybridisierung
4. Telomerlängen und Zellalterung
5. Telomeraseaktivität in Tumoren
6. Progerie - ein Wettlauf mit der Zeit
7. Dolly - das erste aus einer ausgereiften Körperzelle klonierte Säugetier
8. Quellenangaben
9. Computeranimation