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5.2 Telomeraseaktivität in Tumoren

Jedes Jahr erkranken Tausende von Menschen in Deutschland an Krebs. Bei Krebs handelt es sich um ein ungehemmtes und damit gewebezerstörendes Wachstum von Zellen, von dem nahezu jedes Gewebe des Körpers betroffen sein kann.
Alle Tumorarten entstehen jedoch offenbar durch recht ähnliche grundlegende Prozesse: Mutationen, die bestimmte Klassen von Genen betreffen, häufen sich in einer Zelllinie an.
Hier spielen die Proto-Onkogene und die Tumorsuppressorgene eine wesentliche Rolle. Sie dirigieren normalerweise den Lebenszyklus der Zelle.
Ein Proto-Onkogen fördert im unmutierten Zustand das Zellwachstum. Mutiert es in der Regulator- oder Strukturregion, kann es passieren, dass nun zuviel von dem wachstumsfördernden Protein hergestellt wird oder dass dieses Protein übermäßig aktiv ist. Das Proto-Onkogen ist dann durch die Mutation zu einem krebsbegünstigendem Onkogen geworden, das die Zelle zu verstärkter Vermehrung anregt.
Damit sich eine Zelle tatsächlich krebsartig verändert, sind noch weitere Mutationen Voraussetzung. Die Tumorsuppressorgene, die eine solche Vermehrung in Grenzen halten, sind erst dann "krebserregend", wenn sie durch Mutationen inaktiviert wurden. Die Zelle produziert in diesem Fall keine Suppressor-Proteine mehr, die eigentlich entscheidende Wachstumsbremsen für eine unangemessene Vermehrung darstellen.
Um eine Krebsgeschwulst entstehen zu lassen, müssen in einer Zelle der Gründerzelllinie in vivo (vgl. unten!) Mutationen in mindestens sechs ihrer wachstumskontrollierenden Gene auftreten.
Aber die Zelle verfügt über ein weiteres Sicherungssystem, das bei Entartung und wesentlicher Zellschädigung ein Selbstmordprogramm, die Apoptose, einleitet. Wird dieses System aktiviert, kommt es zur Selbstzerstörung der Zelle. Auslöser für die Apoptose können Schäden an der chromosomalen DNA, Mutationen eines Proto-Onkogens zu einem Onkogen oder aber auch der Funktionsverlust eines Tumorsuppressorgens sein.
Leider kann eine entartete Zelle der Apoptose auf verschiedener Weise entgehen. Das vielseitige Protein p-53 überwacht den Normalzustand der Zelle, die Unversehrtheit ihrer chromosomalen DNA und den erfolgreichen Abschluß der einzelnen Zyklusschritte der Mitose. Zudem hilft es die Apoptose einzuleiten. Somit vermindert eine Mutation in diesem Kontrollgen für viele Tumorzellen die Gefahr, sich bei genetischen "Auffälligkeiten" selbst zerstören zu müssen.

Durch das häufige Teilen solcher Krebszellen ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Mutationen erhöht. Dies erklärt auch, warum nicht nur Tumorzellen nach einer bestimmten Anzahl von Teilungen wegen der stark geschrumpften Telomere zugrunde gehen. Manche haben nämlich inzwischen die Fähigkeit zur Bildung von Telomerase erlangt. Dadurch sind die Telomere vielleicht schon sehr kurz, aber stabil und konstant.
Nach den Untersuchungen des Teams um William C. Hahn aus Cambridge/USA, die in "Nature Medicine" 1999 veröffentlicht wurden, reicht es in vitro offenbar aus, nur drei Gene zu verändern, um eine gesunde menschliche Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. Neben zwei Proto-Onkogenen, dem Large-T-Onkogen und dem ras-Onkogen, mußte zusätzlich das Gen für das Enzym Telomerase verändert werden, um ungebremstes Tumorwachstum hervorzurufen. Durch ihre Wirkungsweise ist Telomerase somit für unbegrenzte Teilungsmöglichkeiten der Tumorzellen mit verantwortlich.
Forscher der Firma Geron stellten auch fest, dass in der Mehrheit der 30 untersuchten Krebstypen, einschließlich Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmkrebs, Telomeraseaktivität nachgewiesen werden kann, was bedeutet, dass das in normalen Körperzellen sonst inaktive Gen für das Enzym Telomerase abgelesen wird.
Einzelne Studien des Gerhard-Domagk-Instituts für Pathologie in Münster, die 1999 erschienen, belegen einen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Telomeraseaktivität und einer schlechten klinischen Prognose in allen Tumorstadien bei Neuroblastomen.
Da Telomerase also sehr bedeutsam ist für das Entstehen bösartiger Tumore und in vielen verschiedenen Krebstypen aktiv ist, widmen sich viele Forscher nun der Entwicklung eines Impfstoffes gegen aktive Telomerase.
So auch die Wissenschaftler der "Universität of California, San Diego School of Medicine and Cancer Center", die in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Science" (2000) berichten, dass ein neuer Impfstoff gegen Krebs erste Labortest erfolgreich überstanden hat. In diesem Impfstoff wird Telomerase verwendet und soll so die T-Lymphocyten zu den Krebszellen locken, um diese dann gezielt zu zerstören.
Die Wirkungsweise dieses Impfstoffes auf "Telomerasebasis" wurde von den Forschern des Instituts Pasteur in Paris bestätigt, die das Mittel an Mäusen ausprobierten, die genetisch auf das menschliche Immunsystem eingestellt waren.
Auch an Blutproben von Patienten mit Prostatakrebs konnte erfolgreich gezeigt werden, dass der neue Impfstoff sofort eine Tumorzellen zerstörende Immunabwehr auslöste. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die auf Prostatakrebs eingestellten Killerzellen auch Brust-, Lungen-, Darm- und Hautkrebszellen töteten, da ja auch in diesen normalerweise Telomeraseaktivität vorhanden ist.
An klinische Tests denken die Forscher derzeit noch nicht, da zuvor vor allem noch geklärt werden muss, ob die Telomerase die T-Lymphocyten auch zu normalen Zellen mit geringerer Telomeraseaktivität lockt, wie zum Beispiel den Keimzellen .

Das Forscherteam um W. C. Hahn ("Nature Medicine" 1999) arbeitet zudem an einer Methode um dieses Enzym zu hemmen. Sie bauten in einen viralen Vektor ein dominantes Allel ein, das eine im funktionalen Zentrum veränderte und damit wirkungslose Telomerase codiert. Dann wurden Tumorzellen mit Telomeraseaktivität mit diesem Vektor infiziert. Man beobachtete nun eine Hemmung des Zellwachstums und die Einleitung der Apoptose dieser Zellen.
Um nun auch die Wirkung im Organismen zu testen, infizierte man nackte Mäuse mit defektem Immunsystem mit einigen Krebszellen, die aus dem Klon der zuvor infizierten Zellen hervorgegangen sind oder mit einer Probe der Krebszellen, bevor sie den Vektor erhielten.
Die Krebszellen ohne Vektor produzierten schnell Tumore in den Mäusen. Im Gegensatz dazu erzeugten die Zellen mit dem anderen Allel für den Proteinanteil der Telomerase keine Tumore. Daraus schloss man, dass die Hemmung von Telomerase nicht nur in vitro das Wachstum dieser Krebszellen einschränkt, sondern auch in vivo ihr Potenzial, Tumore zu bilden, begrenzt.


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Telomere Uhren

  1. Einleitung
2. Bedeutung der Telomere und der Telomerase
3. Telomernachweis durch In-Situ- Hybridisierung
4. Telomerlängen und Zellalterung

5. Telomeraseaktivität in Tumoren
5.1 Messung der Telomeraseaktivität durch das TRAP Assay
5.1.1 Versuchsaufbau und -durchführung
5.1.2 Versuchsergebnisse und -auswertung
5.2 Telomeraseaktivität in Tumoren

6. Progerie - ein Wettlauf mit der Zeit
7. Dolly - das erste aus einer ausgereiften Körperzelle klonierte Säugetier
8. Quellenangaben
9. Computeranimation