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Gymnasium Bethel

PROFIL GESCHICHTE

Stolpersteine

Gunter Demnig setzt den Stolperstein vor Haus Gilgal ins Pflaster ein.
Foto: Thomas F. Starke (WB)

Die Stolpersteine sind ein europaweites Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Sie erinnern an die Opfer der NS-Zeit, an Verfolgung, Leiden und Ermordung der Menschen. Die Stolpersteine sind quaderförmige Betonsteine mit einer individuell beschrifteten Messingplatte, niveaugleich eingelassen in den Gehweg vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer.

Die Verlegung der Betheler Stolpersteine am 02. Mai 2013 geht auf die Initiative einer Schülergruppe des Geschichtsleistungskurses am Öffentlich-stiftischen-Gymnasium Bethel 2012 zurück. Die Schülerinnen und Schüler haben sich im Projektkurs mit Beispielen der lokalen Erinnerungs- und Gedenkkultur zur NS-Zeit auseinandergesetzt. Daraus erwuchs der Wunsch nach einem eigenen Beitrag.

Eine Schülergruppe recherchierte im Hauptarchiv Bethel. Die ausgewählten Biografien und die Projektidee der Stolpersteine wurden mit dem Vorstand der von Bodelschwingschen Stiftungen, den Verantwortlichen in den Betheler Häusern und der Bielefelder Stolpersteininitiative kommuniziert. In der Bezirksvertretung Gadderbaum stellte die Initiativgruppe ihr Vorhaben vor. Das Projekt fand breite Zustimmung und Unterstützung.

Die Patenschaft für zwei Steine wurde vom Geschichtskurs, eine vom Heimatverein Gadderbaum übernommen.

Auszeichnung

Das Projekt der Fachschaft Geschichte wurde 2016 mit dem "Richeza-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen 2016 für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung" ausgezeichnet.


Projektteam


Projektwoche 2016

Erfahrungen mit Fremdsein


Information (PDF)

zu den Historischen Projektfahrten des Gymnasiums Bethel in die KZ-Gedenkstätte Majdanek.


Projekt 2013

"Geschehen und Gedenken"


Stolpersteine in Bethel


Hermann Federmann

Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland Menschen, die sich Nationalsozialisten nannten. Sie haben schlimme Sachen gemacht und viele Menschen umgebracht. Sie haben Juden verfolgt und ermordet. Sie haben die Bewohnerinnen und Bewohner Bethels nicht als gleichwertige Menschen behandelt. Dieser Hass ging soweit, dass Bewohner abgeholt und umgebracht wurden. Einer dieser Menschen lebte in diesem Haus.
Hermann Federmann wurde 1930 geboren. Er hatte den jüdischen Glauben. Er war 10 Jahre alt, als er abgeholt und ermordet wurde.
Vor der Haustür dieses Hauses wird durch einen goldenen Stein diesem Menschen gedacht.


Biografie



Hermann Federmann wird am 18.03.1930 als ältester Sohn der jüdischen Familie Abraham und Charlotte Federmann in Hannover geboren. Er leidet an Epilepsie und ist geistig behindert. Als Zweijähriger kommt er erstmals in die Nervenklinik Langenhagen. Seine Eltern emigrieren 1937 aus Deutschland und hofften, dass Hermann in Langenhagen gut untergebracht sei.
In die von Bodelschwinghschen Anstalten wird er am 22.03.1938 aufgenommen. Als sein Vormund wirkt Joseph Israel Meyer, ein Angehöriger der jüdischen Gemeinde Bielefeld. Hermann, der als Achtjähriger nach Bethel kommt, verbringt lang Zeit im Haus Patmos. Es gibt Briefwechsel mit den Ärzten, die Hermann als liebenswürdigen kleinen Jungen beschreiben. Letzter Wohnort ist das Haus Patmos.

Deportation: Wie alle jüdischen Patientinnen und Patienten, die Bethel nicht bei Angehörigen oder in anderen Anstalten untergebracht hat, wurde Hermann am 21.09.1940 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover deportiert. Auch sein Todesdatum ist unbekannt und wird deshalb auf den 27.09.1940 gelegt. An diesem Tag erfolgt die „Verlegung“ von Wunstorf in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg, einer Einrichtung mit einer Gaskammer.
Das Dokument der Ortspolizeibehörde Gadderbaum 1940 stammt aus der Datenbank Yad Vashem. Das einzig bekannte Foto zeigt die Täterperspektive auf die Opfer der NS-Rassenideologie.

Historische Hintergründe
In der Zeit der NS-Diktatur 1933 bis 1945 wurden Menschen aus ideologischen Gründen ihre Menschenrechte abgesprochen. Sie wurden benachteiligt, entrechtet, verfolgt und ermordet. In Bethel lebende jüdische Patientinnen und Patienten waren doppelt gefährdet, wegen ihrer Behinderung und aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Anfang September 1940 erhielt die Anstaltsleitung einen Erlass des Reichsministers des Innern. Die jüdischen Menschen sollten in der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover untergebracht werden. In Bethel betraf dies 14 Patientinnen und Patienten. Die Anstalten konnten sieben Patientinnen und Patienten zu ihren Angehörigen geben, sie privat oder in einer jüdischen Anstalt unterbringen. Vier Männer und drei Frauen wurden am 21.09.1940 zunächst nach Wunstorf, dann in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Sie wurden mit anderen Opfern aus Nord- und Mitteldeutschland in der Gaskammer ermordet.

Margot Hermine Reuter

Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland Menschen, die sich Nationalsozialisten nannten. Sie haben schlimme Sachen gemacht und viele Menschen umgebracht. Sie haben Juden verfolgt und ermordet. Sie haben die Bewohnerinnen und Bewohner Bethels nicht als gleichwertige Menschen behandelt. Dieser Hass ging soweit, dass Bewohner abgeholt und umgebracht wurden. Einer dieser Menschen lebte in diesem Haus.
Margot Hermine Reuter wurde 1887 geboren. Sie war verheiratet, hatte zwei Töchtern. Sie wurde später Witwe. Sie war evangelisch, hatte aber jüdische Vorfahren. Sie war 53 Jahre alt, als sie abgeholt und ermordet wurde.
Vor der Haustür dieses Hauses wird durch einen goldenen Stein diesem Menschen gedacht.

Biografie



Margot Hermine Reuter, geborene Brandy, wird als Kind der Familie Brandy am 17.08.1887 in Stettin geboren. Zur Familie gehören auch vier Brüder. Sie ist evangelisch, da sie aber jüdische Vorfahren hat, gilt sie für die Nationalsozialisten als Jüdin. Margot heiratet am 14.06.1905 Karl Reuter, der auch evangelisch war. Margot und Karl haben zwei Töchter. 1939 wird Margots Familienstand als verwitwet angegeben. Ihre gesetzliche Vertreterin ist ihre Tochter Hanni-Lotte Reuter.
In Bethel wird Margot Hermine Reuter am 11.11.1936 in das Haus Magdala aufgenommen und kommt am 28.07.1938 in das Haus Mahanaim. Sie leidet unter psychischen Erkrankungen wie klimakterischen Depressionen und Angstzuständen.

Deportation: Margot Hermine Reuter wird mit den anderen jüdischen Patientinnen und Patienten, die Bethel nicht bei Angehörigen oder in anderen Anstalten untergebracht hat, am 21.09.1940 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover deportiert. Auch ihr Todesdatum ist unbekannt und wird deshalb auf den 27.09.1940 gelegt. An diesem Tag erfolgt die „Verlegung“ von Wunstorf in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg, einer Einrichtung mit einer Gaskammer. Auf Nachfrage der Angehörigen über den Verbleib von Margot Reuter erhält die Tochter einen sogenannten Trostbrief, der den Todesort und das Datum beinhaltet. Margot Reuter soll demnach in einer Anstalt in der Nähe von Lublin am 02.02.1941 an einer Grippe gestorben sein. Solche fingierten Briefe wurden an viele Angehörige verschickt, sie sind deshalb nicht aussagekräftig.
Das Dokument der Ortspolizeibehörde Gadderbaum 1939 stammt aus der Datenbank Yad Vashem. Das einzig bekannte Foto zeigt die Täterperspektive auf die Opfer der NS-Rassenideologie.

Historische Hintergründe
In der Zeit der NS-Diktatur 1933 bis 1945 wurden Menschen aus ideologischen Gründen ihre Menschenrechte abgesprochen. Sie wurden benachteiligt, entrechtet, verfolgt und ermordet. In Bethel lebende jüdische Patientinnen und Patienten waren doppelt gefährdet, wegen ihrer Behinderung und aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Anfang September 1940 erhielt die Anstaltsleitung einen Erlass des Reichsministers des Innern. Die jüdischen Menschen sollten in der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover untergebracht werden. In Bethel betraf dies 14 Patientinnen und Patienten. Die Anstalten konnten sieben Patientinnen und Patienten zu ihren Angehörigen geben, sie privat oder in einer jüdischen Anstalt unterbringen. Vier Männer und drei Frauen wurden am 21.09.1940 zunächst nach Wunstorf, dann in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Sie wurden mit anderen Opfern aus Nord- und Mitteldeutschland in der Gaskammer ermordet.

Kurt Simon

Von 1933 bis 1945 herrschten in Deutschland Menschen, die sich Nationalsozialisten nannten. Sie haben schlimme Sachen gemacht und viele Menschen umgebracht. Sie haben Juden verfolgt und ermordet. Sie haben die Bewohnerinnen und Bewohner Bethels nicht als gleichwertige Menschen behandelt. Dieser Hass ging soweit, dass Bewohner abgeholt und umgebracht wurden. Einer dieser Menschen lebte in diesem Haus.
Kurt Simon wurde 1917 geboren. Er hatte den jüdischen Glauben. Er war 23 Jahre alt, als er abgeholt und ermordet wurde.
Vor der Haustür dieses Hauses wird durch einen goldenen Stein diesem Menschen gedacht.


Biografie



Kurt Simon wird am 01.07.1917 in Köln geboren. Kurt Simon wird am 27.10.1921 in Bethel aufgenommen und lebt zunächst in Haus Patmos, dann in Neu-Ebenezer.
Kurt Simon leidet an einer geistigen Behinderung. 1938 gibt es einen Briefwechsel zwischen Angehörigen und Bethel, ob Kurt Simon am Konfirmandenunterricht teilnehmen könne. Der Bitte wird seitens der Mutter stattgegeben. Aus den behördlichen Unterlagen 1938 und 1939 ist ersichtlich, dass Kurt Simon als Jude angesehen wird.

Deportation: Kurt Simon wurde am 21.09.1940 zunächst nach Gütersloh gebracht und von dort aus in die Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover deportiert. Auch sein Todesdatum ist unbekannt und wird deshalb auf den 27.09.1940 gelegt. An diesem Tag erfolgt die „Verlegung“ von Wunstorf in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg, einer Einrichtung mit einer Gaskammer.
Das Dokument der Ortspolizeibehörde Gadderbaum 1939 stammt aus der Datenbank Yad Vashem. Das einzig bekannte Foto zeigt die Täterperspektive auf die Opfer der NS-Rassenideologie.

Historische Hintergründe
In der Zeit der NS-Diktatur 1933 bis 1945 wurden Menschen aus ideologischen Gründen ihre Menschenrechte abgesprochen. Sie wurden benachteiligt, entrechtet, verfolgt und ermordet. In Bethel lebende jüdische Patientinnen und Patienten waren doppelt gefährdet, wegen ihrer Behinderung und aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Anfang September 1940 erhielt die Anstaltsleitung einen Erlass des Reichsministers des Innern. Die jüdischen Menschen sollten in der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf bei Hannover untergebracht werden. In Bethel betraf dies 14 Patientinnen und Patienten. Die Anstalten konnten sieben Patientinnen und Patienten zu ihren Angehörigen geben, sie privat oder in einer jüdischen Anstalt unterbringen. Vier Männer und drei Frauen wurden am 21.09.1940 zunächst nach Wunstorf, dann in die Landes-Pflegeanstalt Brandenburg an der Havel deportiert. Hier verliert sich ihre Spur. Sie wurden mit anderen Opfern aus Nord- und Mitteldeutschland in der Gaskammer ermordet.