Placeholder image

Gymnasium Bethel

Szenencollage »Familienleben« des Literaturkurses 2

vorgestellt am 16. März 2017 im Forum der Sek. II

Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Schülerinnen und Schülern, einige haben
Lust zu schreiben, sich mit Geschriebenem auseinanderzusetzen, andere haben einfach
keine Lust auf Kunst oder Musik. Es gibt kleinere Gruppierungen von Freunden, mit
andern geht man nur zur Schule. Dazu ein Lehrer, der bereits als Einzelperson recht
bunt erscheint, bei ihm ist es klar zu erkennen: Er ist hier, weil er Schreiben und
Geschriebenes über alle Maße schätzt, das möchte er gerne weitertragen.
Nach anfänglichen Erprobungen, vielen erstaunlich fesselnden Texten, wird klar: Wir
werden ein Theaterstück schreiben.

Das wirft die Frage nach Themen und Inhalten, nach der Art der Präsentation, nach
Ernsthaftigkeit und Witz auf.
Merkbar wird dabei auch, dass die größte Herausforderung nicht darin besteht, Themen
zu finden, die interessant und kontrovers zu diskutieren sind, sondern
zusammenzuarbeiten und gemeinsam getragene Entscheidungen zu finden.
Durch einen Mehrheitsentscheid wird eine Auswahl an Themen getroffen.
Obwohl ein nicht geringer Teil des Kurses sich ein Stück wünscht, das nicht zu ernsthaft
ist, rücken die Vergewaltigung innerhalb einer Familie, Zwangsheirat und das Konzept
des Films »the Purge« in den Focus der Diskussion. Andere das Jahr 2016 betreffende
Themen wie der Hype um Pokémon Go, das Verschwinden von Bob Dylan und mehr
derartige absurde Tagesthemen rückten anscheinend in den Hintergrund.
Ein weiterer Schwerpunkt, welcher durch eine der vorherigen Schreibübungen
aufgeworfen wird, ist die Frage nach einer alles kontrollierenden Macht – dies scheint
zwar ein bedeutsamer, aber auch sehr schwieriger Aspekt zu sein.
Aufgrund der vielen verschiedenen, noch zusammenhangs- und inhaltslosen Baustellen
ist es möglich und nötig, dass die Schülerinnen und Schüler sich auf einzelne kleine
Bereiche konzentrieren. Die Arbeit an Monologen und Dialogen in kleinen Gruppen
oder alleine gibt zudem die Gelegenheit, aus den teils hitzigen Diskussionen zu
entfliehen und eine Idee nach eigenen Vorstellungen zu entwerfen und umzusetzen.
Mit viel Energie und Arbeit sowie Diversität, Diskussion und Un(ein)verständnis, mit
vielen Ideen, Einwürfen und Veränderungen, gelingt es dem Literaturkurs 2 unter der
Leitung Dietrich Immels, ein Theaterstück zu schreiben.
Ein Stück, das sicherlich nicht in all seinen Facetten verstanden wurde und auch nur so
logisch wie das Leben aufgebaut ist. Ein Prozess, in dem viele Menschen, die sich zuvor
nur selten »guten Tag« sagten, mitwirkten und für Gemeinsames viel Energie
investierten.
Ein bunt zusammengewürfelter Haufen verfolgte viele kleine Gedankenstränge und
webte diese schließlich zu einem großen Ganzen zusammen:
Zwei übermächtige Wesen beklagen den Zustand der Welt und entscheiden sich, sie zu
zerstören, indem sie die Menschen dazu bringen, sich gegenseitig zu töten, nachdem sie
sich das Leben einer Familie näher betrachtet haben: Der Vater ist ein übler Macho, der
sich an seiner Stieftochter vergeht, bevor er sich eine Geliebte nimmt; die Mutter ist
esoterisch angehaucht und im weiteren Sinne drogenabhängig, sie ist wenig belastbar
und kann im Familienleben kaum eine verantwortungsvolle Rolle spielen, engagiert dann
nach der Entdeckung des Verhältnisses ihres Mannes eine Agentur, die die Geliebte auf
andere Gedanken bringt; die aus dem Ausland heimgekehrte Tochter entfremdet sich
der Familie nach dem Übergriff des Stiefvaters mehr und mehr; der Sohn ist überfordert
durch die Aufgaben mit seinem kleinen Stiefgeschwisterchen und der Ordnung des
Haushaltes, stellt das Baby bei Ebay ein und wird dafür zur Strafe im Wald ausgesetzt,
wo er den heruntergekommenen und verwirrten Literaturnobelpreisträger Bob Dylan
trifft.
Diese Menschen planen – nach der Einführung der Purge-Nacht durch die allmächtigen
Wesen – die Ermordung wenigstens eines Familienmitglieds, liegen zuletzt tot vor der
überlebenden Mutter, die dann auch mit einer Handbewegung der Allmächtigen
weggewischt wird, um einer neuen, schönen Welt aus Kristallkugeln zu weichen.

Alina von Scheven und Dietrich Immel